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CoverJung, Udo O.H.

Deutsche SchildBürgerKunde
Das ausgestellte Gedächtnis der Nation

2014 · ISBN 978-3-86205-403-9 · 270 S., kt. ·  EUR 48,—

 

 

Mit ihren Straßenschildern stülpt eine Stadt ihr Gedächtnis nach außen, macht sichtbar, was sie für erinnerungswürdig hält. In ihrer Gesamtheit gewähren die 1 182 517 Straßen in Deutschland Einblick in das kollektive Gedächtnis der Nation.

Mit seinen Studenten durchforstete Jung die Datenbanken und fand, immer noch, faschistoide Namenspatrone auf den Wegweisern. Was die Lokalpolitiker in den betroffenen Städten den Studenten dazu zu sagen oder auch nicht zu sagen hatten, kann man hier nachlesen.

Den Leuten im Osten wurde nach dem Krieg ein sozialistisches Gedächtnis verordnet. Bis heute hat sich dort an der Straßennamenfront wenig geändert: Ernst Thälmann, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg beherrschen das Bild. Aber auch im Osten gibt es Entdeckungen zu machen. Bertolt Brecht, der nach dem 17. Juni 1953 wenig Schmeichelhaftes über die DDR zu sagen hatte, ist von den Politruks der SED nicht abgestraft worden. Aber Anna Seghers, die Autorin des Siebten Kreuzes und langjährige Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR? Nationalpreisträgerin Seghers war treue Dienerin des SED-Regimes. Aber nur dank der Generosität des Westens kommt sie zu zählbaren Ergebnissen; im Osten ist sie unterrepräsentiert.

Vertriebene DDR-Bürger konnten auch problemlos in die alte Heimat reisen, aber sie durften in der DDR die Namen ihrer Städte nicht auf die Straßenschilder schreiben. Das blieb denen im Westen vorbehalten. Heute dienen die 1 120 Danziger Straßen im Westen als Pfeiler für den europäischen Brückenschlag.

Straßennamen erinnern nicht nur an Schriftsteller, Soldaten, Maler, Philosophen, Mediziner, Komponisten, Politiker und Suffragetten, sie verweisen auch auf Flora und Fauna, auf Flüsse und Städte, auf Berufe und Landschaften, ja sogar auf Märchenfiguren.

Der Straßenname ist eine aktive Quelle, der man Erkenntnisse nicht erst groß abringen muss. Sie widerspricht im Einzelfall aber auch dem, was Historiker für gesichert halten. Erich Maria Remarque gilt als Impulsgeber. Auf Straßenschildern findet man ihn so gut wie überhaupt nicht.

Ein Buch zum Nachmachen: Die Daten sind alle in einem Anhang versammelt; eine Bibliographie mit über 350 Einträgen hilft, das Feld weiter aufzuschließen.


UDO O.H. JUNG studierte Anglistik und Geschichte, Pädagogik und Philosophie an den Universitäten Freiburg i.Brsg. und Edinburgh (Schottland). Seine akademische Laufbahn führte ihn von Kiel über Marburg nach Bayreuth. Er war dort bis 2002 Geschäftsführer des Sprachenzentrums der Universität.

 

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