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CoverDenneler, Iris
Ungesicherte Lektüren. Abhandlungen zu Bachmann, Pavese, Nossak, Haushofer und Schiller, zur Stadt Paris und zum Lesen in der Schule

2002 • ISBN 978-3-89129-731-5
247 S., kt. · EUR 13,-

Immer wieder, aus verschiedenen Blickwinkeln und Perspektiven, werden die Mitleser dieses Bandes ermutigt, das Befremdliche der Literatur nachzuvollziehen, als ,Ausländer des Gefühls' nämlich (so Wolfgang Koeppen), die - entsprechend der aporetischen Struktur von Erfahrung - von der Literatur ähnliches erwarten. Aporie meint in der klassischen Philosophie ja mehr als nur Verunsicherung, Ratlosigkeit; es bezeichnet ursprünglich den Punkt, wo der nichtwissend-Unwissende zu einem wissend-Unwissenden wird, indem er das vermeintliche Wissen als Vorurteil erkennt. Aporie ist die Grundstruktur des Suchens überhaupt; und man faßte dies von Anfang an ins Bild dessen, der sich auf eine Reise ins Ungewisse begibt. Ungesichertes Gelände zu betreten, Aporien zu provozieren oder auf sie zu stoßen, wird somit zu einem grundlegend menschlichen Verhalten, eben das der Erfahrung, des Irrtums, mithin des Lesens, Lebens, Schreibens. Nur eine Lektüre ,ohne Gewähr' garantiert das Staunen, das vor allem, ja vielleicht sogar nur den Fremden, Heimatlosen trifft. Daß es Anstrengung kostet aufzubrechen, ergibt sich notwendig daraus, daß Kritik nur im Zustand der Distanz, vielleicht sogar der Einsamkeit zu erreichen ist. Wolfgang Koeppen sprach einmal vom "archimedischen Punkt außerhalb der Menschheit", den der Schriftsteller brauche, um zu schreiben. Freilich war gerade er ein unvergleichlich weltzugewandter Liebhaber sprachlicher und leiblicher Genüsse. Jedenfalls ist nicht nur unsere Fahrt ins Ungewisse der Literatur als ein Modell für Welterfahrung zu verstehen. Man schreibt eben nur - wie es der Titel von Ernst Jandls Sprechoper sagt - "Aus der Fremde".
Deshalb werden die Leser ungesicherter Lektüren eingeladen, sich an sechs Beispielen (plus einem Aperçu) auf das Abenteuer des Außenstandpunkts einzulassen, nachzuvollziehen, was geschieht, wenn bequeme, durch routinierten Gebrauch ausgedünnte Analysekategorien und Blickweisen aufgegeben werden. Denn - nicht nur den Weg begehen wir als Fremde, befremdlich ist das Gelände selbst.


Eloge der ungesicherten Lektüre · Botschaften ohne Rückversicherung. Ingeborg Bachmanns Gedicht "Hôtel de la Paix" und die Dialoge ins Schweigen · Schreiben auf unsicherem Grund: Leben und Literatur Cesare Paveses · Der Schriftsteller als Einzelfall? Zum nicht-versicherbaren Anspruch auf literarische Authentizität am Beispiel von Hans Erich Nossack, Marlen Haushofer und Ingeborg Bachmann · Großstadtverunsicherungen. Paris als Topographie und Topos. Eine Passage vom 18. ins 20. Jahrhundert · Schiller als Essayist - Unsichere Vernunft, deformierte Subjekte · Die Vermittlerin vermitteln wollen? Überlegungen zu Fährnissen und Chancen einer ungesicherten Lektüre für die Schule

 

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